Höher, schneller, weiter macht nicht glücklich

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Wenn das Jetzt nie genug ist – wann bist du glücklich?

Der aktuelle Zeitgeist scheint zu sein, dass alles immer mehr, immer größer und immer schneller gehen muss.
Höher, schneller, weiter.

Wenn wir unsere Ziele nicht erreichen, dann hängen sie uns ständig im Nacken.
Erinnern uns daran, was wir nicht geschafft haben.
Was es noch zu tun gibt.
Was als Nächstes dran ist.
Bloß nicht ausruhen.
Runterkommen.
Dazu ist keine Zeit.

Es gibt Ziele zu erreichen.
Das ist wichtig.
Sonst bin ich ein Versager.
Und jeder sieht es.

Also kann ich mir keine Zeit zum Luftholen gönnen.

Nicht verschnaufen.
Keine Pause machen.
Nicht, bevor ich das Ziel erreicht habe.

Das darf ich erst, wenn ich angekommen bin.

Und so stresse ich mich.
Jeden Tag aufs Neue.
Bis ich mein Ziel erreicht habe.
Dann.

Erst muss ich__________, bevor ich mir etwas gönnen darf.
Ich bin erst richtig, wenn ich am Ziel angekommen bin.

Das ist schon beim Lesen nicht entspannend, oder?!

Dabei nehmen wir uns oft nicht mal die Zeit, festzustellen, dass uns unsere Ziele gar nicht erfüllen und glücklich machen.

Dass sie uns nicht mehr viel bedeuten.
Oder zumindest nicht lange etwas bedeuten, sobald wir sie erreicht haben.
Wir nehmen uns nicht die Zeit, uns darüber zu freuen.
Stolz auf das zu sein, was wir erreicht haben.
Zufrieden zu sein.
Runterzuschalten.
Innezuhalten.
Zu genießen.

Das erlauben wir uns vielleicht, wenn wir gut drauf sind.

Für einen Moment.
Und dann geht es weiter.
Zum nächsten Ziel.
Wir hecheln der nächsten Vorstellung hinterher, wann wir glücklich sind.
Wenn wir das (nächste) größere Ziel erreichen.
Das bestimmte, monatliche Einkommen.
Das Zertifikat der nächsten Ausbildung.
Den anderen Job.
Den gewünschten Partner.
Die größere Wohnung.

Dann fühlen wir uns besser.
Dann sind wir glücklich.
Dann sind wir gut genug.

Ist das wirklich so?

Spür einen Moment nach.

Ist es wirklich so, dass du dich glücklicher/besser/gut genug fühlst, wenn du etwas erreicht hast?

Und wenn ja – wie lange hält das an?

Wenn das Erreichen der Ziele dich nicht glücklich macht und auch nicht erfüllt, was dann?

Wenn dir gerade bewusst wird, dass dieses „besser fühlen“ nur ganz kurz angehalten hat – macht es dann Sinn, dir immer größere Ziele zu setzen?
Dein Leben nur auf das Erreichen der Ziele auszulegen?

Kann es sein, dass du dir selbst die ganze Zeit über eine Möhre vor die Nase hältst, der du hinterherläufst, die du aber nicht erreichst?
Und selbst wenn du reinbeißt, dann hältst du dir direkt eine schönere, größere Möhre vor die Nase, die du unbedingt haben möchtest?

Was wäre, wenn etwas „im außen“ nichts damit zu tun hat, wie du dich fühlst?

Dass es nichts damit zu tun haben kann, weil wir Menschen so nicht funktionieren?

Das würde erklären, warum uns dieses „höher, schneller, weiter“ nicht glücklich macht.

Wir hetzen uns durch unser Leben und verpassen dabei, es zu leben.

Der Weg ist das Ziel.

Den Spruch habe ich schon ganz oft gehört und gelesen.
Aber jetzt verstehe ich ihn neu.

Unser Lebensweg ist unser Ziel.

Nicht ein Ziel, das wir uns mit dem Intellekt gesetzt haben.
Und diesen Lebensweg gilt es zu genießen.
Die Blumen am Wegesrand zu bestaunen.
Pausen zu machen.
Sich auf die Bank oder ins Gras zu setzen.
Den Augenblick zu genießen.
Das Hier und Jetzt.
Den tollen Sonnenaufgang.
Das Vogelgezwitscher.
Löwenzahn, der sich durch den Asphalt drängt.
Schöne Momente bemerken.
Erinnerungen erschaffen.
Erlebnisse sammeln.
Unserer Kreativität freien Lauf lassen.

Und je mehr wir das tun, desto schöner wird der Weg zu unserem Ziel.

Desto weniger wichtig ist es, ob wir das Ziel erreichen.

Schließlich haben wir den Weg dorthin genossen, selbst wenn wir nicht ankommen.
Schritt für Schritt.
Moment für Moment.

Und es ist so klar, warum uns „höher, schneller, weiter“ nicht glücklich macht.

Wir genießen weder den Weg noch das Ziel.

Wir hetzen von einem Ziel zum nächsten.
Wir verpassen das Leben, während wir unseren Zielen nachjagen.

Wie können wir dann glücklich sein?

Wenn du gerade denkst: du hast gut reden! Du bist nicht in meiner Situation. Ich kann den Weg nicht genießen, weil ___________. Mein Ziel ist wichtig, weil___________.

Hier ist meine Einladung:

Erlaube dir „einfach“, diese Gedanken ziehen zu lassen.
Rumzuspinnen.
Die „weil’s“ zu ignorieren.
Offen dafür zu sein, etwas neu zu sehen.

Was wäre, wenn ich meinen Weg genießen könnte?
Was wäre, wenn mein Ziel nicht so wichtig wäre, wie es aussieht?
Was würde ich tun, wenn es kein „muss“ gäbe? Wenn ich machen könnte, was ich möchte?
Wenn ich mir keinen Druck mehr mache und es egal wäre, ob ich das Ziel erreiche - was wäre mein nächster Schritt?
Woran kann ich mich auch IN meiner jetzigen Situation erfreuen?
Wenn ich IMMER die Möglichkeit habe, etwas zu genießen – was kann ich JETZT genießen?

Erlaube dir, auf dem Weg immer mal stehen zu bleiben.

Luft zu holen.
Dich zu erfreuen.
An den Etappen zum Ziel.
Das, was gut war.
Was erledigt ist.

Sorge für schöne Augenblicke.

Gib dir die 5 Minuten, die du „eigentlich“ nicht hast.
Nimm das Lächeln der unbekannten Person im Bus wahr.
Hör das tolle Lied zu Ende, bevor du aus dem Auto steigst.

Und dann schau, ob das einen Unterschied macht.
Ob du dich besser fühlst.
Glücklicher.
Zufriedener.

Glück und Zufriedenheit sind in dir.

Immer.
Je mehr du im Außen danach suchst, desto weiter entfernst du dich davon.
Sie sind in dir.
Die ganze Zeit über.
Auch, wenn du sie nicht wahrnehmen kannst.

In diesen Pausen, in den schönen Momenten, bekommst wieder Zugang dazu.

Diese Momente sind wie eine innere Tankstelle.
Du lädst dich quasi in dir selbst auf.
An der Quelle.

Je mehr du erkennst, wo du diese Ladestation findest, desto öfter und leichter kannst du andocken.

Wann hast du dort das letzte Mal bewusst aufgetankt?
Nimm dir 30 Sekunden und tut es JETZT.
Bewusst.
Gönn dir den Moment.
Und genieße ihn.
… und dann geh weiter auf deinem Weg.

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

höher, nie ankommen, schneller, unzufrieden, weiter, Ziel


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  1. Liebe Michaela,

    mir ist erst gestern in einem Gespräch wieder klar geworden, dass ich mich wieder auf meinem Weg verirrt habe in die Höher-Schneller-Weiter-Schleife. Ganz unbewusst, beeindruckt von Facebook-Beiträgen (vermeintlich) total erfolgreicher Menschen. Was ich mir wünsche ist inneren Frieden, behagliche und schöne Momente und immer mehr Kontakt zu mir finden und aufrecht erhalten können. Danke für deinen Artikel!

    1. Liebe Yvonne,

      das passiert so leicht, dass wir diese Schleife drehen.
      Das Gute ist aber, dass wir diese Schleife verlassen können, wenn wir erkennen, dass wir wieder „drin“ sind.
      Und ich habe den Eindruck, dass mir im Laufe der Zeit schneller auffällt, wenn ich in eine Richtung gehe, in die ich „eigentlich“ gar nicht gehen möchte.

      Liebe Grüße
      Michaela

  2. So herzerwärmend, warum nur lernen wir das nicht in der Schule? Wie würde das Lebensaufgaben der Erde dann sein? Wäre es friedlicher … vielleicht sogar für alles lebendige? Gebe es dann auch noch sowas wie Entwicklung ….und was ist Entwicklung überhaupt…. Zack – Da ist es, das Wort Annahme, was auch immer sich zeigt….. die Blume am Wegrand oder der Schmerz im Knie …

    1. Liebe Regina,
      ich bin mir sicher, dass es auch weiterhin Entwicklung gäbe. Das Leben ist Veränderung. Und Entwicklung. Vor einiger Zeit habe ich gesehen, wie sich Pflanzen in Tschernobyl weiterentwickeln und den neuen Gegebenheiten anpassen. https://www.welt.de/wissenschaft/article3768740/Pflanzen-passen-sich-Radioaktivitaet-an.html#:~:text=Pflanzen%20sind%20in%20der%20Lage,und%20in%20anderer%20Zusammensetzung%20her. Diese Pflanzen werden vom gleichen Mind (Geist) gelebt wie wir.

      Es gibt übrigens Bücher über die Drei Prinzipien für verschiedene Schulstufen, die aktuell gerade auf Deutsch übersetzt werden. Vielleicht lernen es zukünftige Generationen dann in der Schule. Das könnte die Welt wirklich verändern.

      Mit dem Wort „Annahme“ war ich übrigens lange im Clinch, weil mir das „wie“ gefehlt hat. 😉 Ich hätte es gerne gemacht – wusste aber nicht, wie. Und je öfter ich es gehört habe, desto mehr wurde es zum roten Tuch.
      Jetzt geschieht es automatisch (mal mehr, mal weniger) und es gibt nichts zu tun. Die Annahme ist da. Mit dem Verständnis. Und das macht so vieles leichter. 😊

      Liebe Grüße
      Michaela

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