Expeditionen ins Menschsein 

Wie wir uns die Welt mit Labeln verkleinern

Wie leicht stecken wir uns selbst in Schubladen oder pappen uns ein Label an.

Ich bin schüchtern.
Ich bin aufbrausend.
Ich bin hochsensibel.
Ich bin ein Schmerzpatient.
Ich bin ...

Das geschieht unschuldig und in bester Absicht.

Ein Label hilft mir dabei, mein Verhalten besser zu verstehen.

Mir selbst und anderen zu erklären, warum ich mich verhalte, wie ich mich eben verhalte.

Ich bin schüchtern, daher ist es okay (und natürlich), dass ich immer ganz hinten im Raum stehe und lieber beobachte, als selbst etwas zu sagen.

Ich kann nichts dafür, dass ich so leicht auf 180 bin – ich bin nun mal aufbrausend.

Für mich als Hochsensible sind die vielen Parfüm-Düfte auf der Veranstaltung eine Qual. Das ist eben nichts für mich.

Als Schmerzpatient ist alles schwieriger und mühsamer. Es ist normal, dass ich auch mal gereizt bin und dann Dinge sage, die ich nicht so meine

Mit einem Label kann ich mein Verhalten rechtfertigen.

Mir (und anderen) erklären: ich kann ja nicht anders. Ich habe dieses Label. Leute mit diesem Label verhalten sich so. Kannste nix machen.

… und dabei vergesse ich, dass ich mir das Label oft selbst gegeben habe. Manchmal aufgrund einer einzigen Situation.

Oder ich habe „einfach“ ein Label drangelassen, dass mir jemand anders angepappt hat. Ohne es zu hinterfragen.

Indem ich mich in eine Schublade stecke, kann ich mich auch zugehörig fühlen.

Fühlte ich mich früher noch alleine, weil andere den Kopf schüttelten und mich und „meine Welt“ nicht verstanden haben, gibt es jetzt Gleichgesinnte.
Menschen, die mich verstehen.
Die auch dieses „Label“ haben.
Die wissen, wie es sich mit diesem „Label“ lebt.

Was ist denn falsch an einem Label?

Generell ist nichts falsch an einem Label.
Es kann aber dazu führen, dass ich mir mein Leben kleiner mache und mich einenge.

Jedes Label kann „meine Welt“ oder „meine Möglichkeiten“ kleiner machen. Alleine dadurch, dass ich vieles nicht mehr in Frage stelle und als „ist so“ abspeichere.

Mir bietet jemand an, einen Vortrag zu halten und ich lehne direkt ab, weil ich „zu schüchtern dafür bin“.
Ohne zu spüren: habe ich Lust darauf?
Könnte das etwas für mich sein?

Schüchtern wird zu einem Ding.
Zu etwas Festem.
Das nicht oder nur schwer veränderlich ist.

Was, wenn es das „eigentlich“ gar nicht sein müsste?

Nimm dir einen Moment, denk an ein Label, das du dir gegeben hast

und frag dich:
ist das IMMER so?
Fühle ich mich IMMER so?
Oder gibt es auch Situationen, in denen ich anders reagiert habe?

Selbst wenn du schüchtern bist – gibt es auch ein Umfeld, in dem du diese Schüchternheit total ablegen kannst? Unter Freunden oder innerhalb der Familie? Wo du dich gut und sicher und frei fühlst und „vergisst“, dass du schüchtern bist?

Und wenn dir eine Situation eingefallen ist – was ist dann mit deinem Etikett?

Wenn es dich ausmacht, müsste es dann nicht immer da sein?

(lass es ruhig einen Moment sacken)

Genau das ist der „Haken“ an den Schubladen, Labeln und Etiketten, in die wir uns (und natürlich auch andere) stecken.

Wir erzählen uns, dass wir immer so sind. Wegen des Labels auch gar nicht anders sein können – und übersehen die Male, an denen wir anders sind und uns anders verhalten.

Indem wir uns vorgaukeln, es wäre permanent, machen wir uns selbst das Leben schwer.
Wir übersehen Chancen.
Wir lehnen Dinge ab, die wir „eigentlich“ gerne machen würden.
Wir trauen uns viele Dinge nicht (mehr) zu.

Unschuldig.
Ohne es zu merken.
Weil so klar ist, dass wir „das Label“ sind …

Das Gute ist, dass diese Etiketten eben nicht permanent sind.

Sie sind nicht in Stein gemeißelt und sobald du eins erkannt hast, kannst du es abnehmen.
Es nimmt sich sogar eher von selbst ab.

Je klarer dir ist, dass dieses Label nicht „echt“ ist, desto eher durchschaust du es und nimmst es gar nicht mehr wahr. Oder zumindest nicht mehr so ernst.
Dein Leben vergrößert sich wieder.
Du siehst mehr Möglichkeiten.

Welche Label fallen dir direkt zu dir ein?

Was sagst du über dich? Wie beschreibst du dich?
Ich bin / Ich bin nicht …
Alles Label.

Nimm dir ruhig 5 Minuten und reflektiere.

Vieles davon kann aussehen wie „die Wahrheit“ oder „so bin ich“.

Neben den Dingen, die dir gerade ein- oder aufgefallen sind, gibt es noch unzählige weitere, die momentan noch unterhalb deines Radars laufen. Bei denen wir überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass es „nur ein Label“ sein könnte.

Denn alles, was wie „die Wahrheit“ aussieht, erkennen wir nicht als Label.

Je mehr Lust du darauf hast, etwas „aufzudecken“, desto mehr Sachen oder Label oder Schubalden werden dir bewusst – zumindest scheint es meiner Erfahrung nach so zu funktionieren.
Dieses Aufdecken ist unendlich. 

Hast du schon mal online nach einem Auto gesucht?

Auf den verschiedenen Portalen kannst du Filter bei der Suche einstellen, wie dein Auto sein soll.
Marke, Motorisierung, Innenausstattung, Sicherheitsaspekte, Umweltaspekte, privat oder vom Händler, …
Es gibt unzählige Filter und je mehr du auswählst, desto kleiner wird die Menge passender Fahrzeuge.

Bei uns war das immer sehr krass, da wir ein Auto mit Schiebedach gesucht haben. Wurden uns ca. 45289 Suchergebnisse angezeigt und wir haben „Schiebedach“ ausgewählt, dann waren es vielleicht noch 325 Fahrzeuge…
Die „Autowelt“ wurde kleiner.

Bei einer solchen Suche ist es logisch und erwünscht, dass die Auswahl kleiner wird. Wir möchten ja nur das finden, was zu uns passt.

Aber wie ist das in unserem Leben?
Wie ist das in deinem Leben?

Möchtest du dich kleiner machen, als du bist?

Möglichkeiten direkt ausschließen?
Dich selbst auf ein ausgedachtes Etikett reduzieren?

Oder möchtest du entdecken, welche Möglichkeiten es gibt?
Dich von Filtern verabschieden.
Dir erlauben, viel mehr zu sein.

Was wäre, wenn wir diese ganzen Label nicht brauchen?

Was wäre, wenn wir uns die Freiheit geben, jetzt schüchtern zu sein und morgen oder sogar schon in 30 Minuten nicht mehr?
Was wäre, wenn das, was ich darf oder mache, nicht von „meinem“ Label abhängt? Sondern von dem, was sich JETZT gut und stimmig anfühlt?

Welche(s) Label möchtest du loslassen?

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

Etikett, Label, Schublade, so bin ich, Vorstellung


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Ich an deiner Stelle

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  • Liebe Michaela,

    was für ein toller Artikel wieder! Und so wahr! Es lohnt sich wirklich, da noch mehr in die Tiefe zu gucken. Du kannst wunderbar schreiben und erklären. Können wir da mal auf ein Buch von dir hoffen?
    Liebe Grüße
    Saval

    • Liebe Saval,
      danke für die Blumen. 😊

      Momentan ist kein eigenes Buch geplant, aber die Übersetzung von REAL von Clare Dimond sollte „bald“ erscheinen.
      Das ist ein echt tolles Buch.

      … und wer weiß, was noch ansteht. Vielleicht ja auch ein Buch. Es ist aber noch nichts greifbar. 😉

      Liebe Grüße
      Michaela

  • … und kann ich nicht auch aus einem kraftvollen „I AM“ das nicht aus der Knappheit und Unzulänglichkeit entstanden ist, ..auch einem stimmigen ICH BIN ein kraftvolles Leben erschaffen?

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