Was ist eine Einsicht oder Erkenntnis?

2  Kommentare

Was versteht man unter einem Insight?

Vielleicht hast du mich schon öfter über eine Erkenntnis (oder auch Einsicht bzw. Insight) schreiben oder sprechen hören und weißt gar nicht genau, was damit gemeint ist.

Eine Erkenntnis kann etwas Kleines, aber auch etwas Großes sein, eine kleine Veränderung, aber auch etwas Lebensveränderndes.
Je nachdem, was du für dich neu siehst.

Was für dich eine riesengroße Erkenntnis ist, ist für deinen Freund oder deine Freundin vielleicht keine große Sache oder sogar kalter Kaffee, weil er oder sie das schon „ewig“ weiß.

Eine Einsicht ist immer persönlich.

Eine neue Sicht von innen.
Du hast etwas für dich neu erkannt.

Eine Erkenntnis oder Einsicht ist ein Gedanke, den du SO noch nicht hattest. Der für dich komplett neu ist.

Der Moment, wo es für dich „klick“ macht.

Manchmal ist es ein Wow-Moment, manchmal vielleicht ein „meine Güte… wie konnte ich das bisher NICHT sehen?“ oder etwas dazwischen.

Das, was du für dich erkannt hast, kannst du nicht mehr nicht-sehen.

Ich möchte es dir anhand von zwei alltäglichen Beispielen erklären.

Eines Tages schaute ich auf die Uhr und erkannte in der Uhrzeit die Telefonnummer meiner Mutter, bzw. die Telefonnummer, die wir früher zu Hause hatten.
Total banal.
Und nicht wirklich neu, denn diese Uhrzeit wurde auch in den vergangenen Jahren täglich auf der Uhr angezeigt.
Ich hatte es nur noch nie so gesehen.
Aber an diesem Tag schon.
Eine neue Erkenntnis.

Ich weiß nicht, wie oft ich seit diesem Tag bemerkt habe, wenn wir gerade diese Uhrzeit haben.
Es fällt mir immer wieder auf, ohne dass ich etwas dafür tun müsste.
Ich sehe die Uhr nur im Augenwinkel und trotzdem erkenne ich diese Zeit.
Meinem Mann geht es inzwischen ähnlich. Auf die Frage: wie spät ist es? Kann ich also auch „gleich Mama“ antworten und er weiß Bescheid.

Ich sehe die Uhrzeit quasi ständig, wenn ich am PC sitze, aber ich nehme sie nicht wahr.
Ich kann den Laptop gerade zugeklappt haben und mich fragen: wie spät ist es eigentlich?
Die Uhrzeit steht auf Bildschirm und ich habe sie gesehen, aber nicht wahrgenommen.

Hier ein anderes Beispiel.

Ich gehe meist vor meinem Mann ins Bett – werde dann aber doch oft wach, wenn er ins Schlafzimmer kommt. Er legt sich hin und es scheint manchmal, als schläft er schon, bevor er sich überhaupt richtig zugedeckt hat...
Keine 5 Minuten später fängt er oft an zu schnarchen.

Früher habe ich mich tierisch aufgeregt.
Darüber, dass er sofort einschläft und ich noch wach liege. Dass ich von ihm wach werde. Dass er dann auch noch schnarcht. Wie unfair das ist, usw.
Im Sommer schwirrt mir dann ab und zu auch noch eine Mücke um die Ohren herum, deren summen nicht dazu beiträgt, dass ich direkt einschlafe.
 
Je mehr ich mich darüber aufrege – ob nun über die Mücke oder das Schnarchen – desto schwerer fällt es mir, einzuschlafen.
Und mich darüber aufzuregen, dass ich mich aufrege, macht es auch nicht besser. 😉

Eines Abends kam der Gedanke: was wäre, wenn ich das Schnarchen von Martin oder das Summen der Mücken wie ein Lied wahrnehmen würde? Wenn sie ein Lied singen – nur für mich?

Ja, eine schräge Vorstellung… ich weiß.

So hatte ich das noch nie gesehen (eine neue Einsicht!) und witzigerweise habe ich mich ab dann nicht mehr so darüber aufgeregt.
Weder über das Schnarchen noch über die Mücken.
Es kam immer wieder die Erinnerung an das Lied.
 
Ich hatte keine Zettel auf dem Nachttisch liegen, auf denen in fluoreszierender Leuchtschrift stand: bei schnarchen oder Mücken an Lied denken.
 
Der Gedanke war einfach da. Wieder und wieder.
Und ich musste innerlich grinsen.
Hab die Geräusche mit anderen Ohren gehört.
Versucht, wirklich ein Lied darin zu erkennen.
 
Die Geräusche hatten auf einmal eine ganz andere Qualität.
Dadurch, dass ich mich nicht mehr aufgeregt habe, konnte ich natürlich auch schneller und leichter einschlafen.

Wenn ich eine Erkenntnis habe, dann rückt das, was ich neu gesehen habe, in meine Wahrnehmung.

Meine Filter verändern sich.
Etwas, das vorher ausgeblendet wurde – wir nehmen ja (zum Glück!) nur einen Bruchteil unserer Welt bewusst wahr – wird nicht mehr ausgeblendet, sondern mir plötzlich angezeigt.
Ohne, dass ich etwas dafür tun muss.
Es ist ab sofort in meinem Bewusstsein.

Was habe ich von einer Einsicht?

Anhand der Alltagsbeispiele wird das vielleicht nicht so deutlich.

Warum soll sich durch eine Einsicht mein Leben verändern?

Daher möchte ich noch eine Erkenntnis mit dir teilen, die für mich zu einer anderen Welt geführt hat.

Niemand kann ein Gefühl in mir auslösen.

Als ich das neu gesehen habe und WUSSTE, dass es stimmt – nicht als Konzept, das sich gut anhört, sondern als ich FÜHLTE und in meinem Leben GESEHEN habe, dass es so ist – war quasi alles anders.
Diese Einsicht hat mein Leben verändert.

Falls du gerade denkst: so ein Quatsch! Ich erinnere mich an 1000 Situationen, in denen jemand etwas gesagt oder getan hat, was ein Gefühl in mir ausgelöst hat, lade ich dich ein, genau(er) hinzuschauen.

Hätte sich jeder in deiner Situation so gefühlt?
Hätte jeder gleich reagiert?
Wäre jeder verletzt gewesen?

Wenn du dir nicht sicher bist, dann lade ich dich ein, zu reflektieren, ob du vielleicht einen „Zwischenschritt“ übersehen hast.
Etwas, was zwischen dem, was andere tun oder machen und meinem Empfinden liegt.
Gedanken.

Inzwischen ist für mich 100ig klar, dass mich niemand mit Worten verletzen kann. Nicht wirklich. Das, was ich spüre, sind IMMER die Gefühle, die meine Gedanken mit sich bringen.

Wenn mir jemand sagt, dass ich unfähig und ein Taugenichts bin, dann macht das nichts mit mir.
Was ich darüber denke, dass derjenige sowas gesagt hat, DAS löst die Gefühle in mir aus. Vielleicht glaube ich, dass da was dran ist und fange direkt an, mich unfähig zu fühlen.
Das sieht dann aus, als hinge es mit den Worten des anderen zusammen. Tatsächlich liegt es aber an meinen Gedanken über diese Worte.

So funktioniert es immer.
So funktionieren wir Menschen.

Wenn mir jemand die Parklücke vor der Nase wegschnappt, dann haben meine Gefühle nichts mit dem anderen Autofahrer oder seinem Verhalten zu tun, sondern nur damit, was ich denke. (das war mein Parkplatz, der Blödmann macht das mit Absicht, so ein Volltrottel, ich habe schon ewig danach gesucht…)

Der Ärger stammt von meinen ärgerlichen Gedanken.

Wenn die Katze in die Wohnung pinkelt, dann kommt meine Wut weder von der Katze noch von der Pfütze, sondern von meinen Gedanken, dass es falsch war und anders hätte sein sollen.

Nachdem mir das klar ist, ärgere ich manchmal fast ein bisschen darüber, dass ich niemand anderem die Schuld geben kann. 😉
Es war so einfach zu sagen: ich fühle mich so, weil derjenige oder diejenige…

Das Gute ist aber, dass andere Menschen keine Macht mehr über mich haben, bzw. ich ihnen nicht mehr ausgeliefert bin.

Eine andere Erkenntnis war für mich vor Jahren: ich kann mir keine Zigaretten mehr leisten.

Danach habe ich aufgehört zu rauchen und es war einfach, obwohl ich vorher schon mehrfach versucht hatte, aufzuhören.
Mit Disziplin, Schweinehund überwinden usw.
Für eine gewisse Zeit ging es auch, aber dann waren die Gier und das Verlangen zu groß und ich bin wieder angefangen.
Vorher hatte ich schon zu einer günstigeren Marke gewechselt (zumindest hatte ich es probiert, aber der Geschmack war überhaupt nicht meins) und selbst gestopft, um Kosten zu sparen.
 
Und plötzlich war es klar.
Es ging nicht mehr.
Es stand nicht mehr zur Debatte.
Ich habe von jetzt auf gleich aufgehört.
Und obwohl ich immer noch gerne geraucht hätte und den Geruch nach wie vor gerne rieche, war es einfach.
Weil die Entscheidung gefallen war.
Es hatte „klick“ gemacht.

Durch eine Erkenntnis geschieht Veränderung mühelos und dauerhaft.

Ohne besondere Willenskraft und Disziplin.

Ich ärgere mich nicht mehr darüber, wenn mir jemand den Parkplatz vor der Nase wegschnappt. Weil ich weiß, dass es nichts mit der anderen Person zu tun hat.
Der Ärger kommt von meinen Gedanken.
Und wenn ich die Gefühle nicht wahrnehmen möchte, dann brauche ich die Gedanken nicht mehr zu denken. 
So einfach.

Wenn wir uns in der Situation daran erinnern - was wir nicht immer tun.
Ich zumindest nicht.

Wir können eine Erkenntnis nicht wieder verlieren.

Das, was wir gesehen haben, bleibt bei uns.
Selbst in den Momenten, wenn wir uns nicht bewusst daran erinnern.
Wir können es weder „richtig“ vergessen noch ungesehen machen.
Es gehört ab sofort zu unserer Realität

Das Tolle ist, dass wir unsere Erkenntnisse sogar vertiefen können, wenn wir sie mit anderen teilen.

Bei diesen Beispielen gibt es nicht viel, was ich vertiefen kann.
Dachte ich zumindest.
Während ich hier schreibe, ist mir aber erst richtig bewusst geworden, dass sich meine Filter verändern, wenn ich etwas für mich neu gesehen habe.

Das war mir vorher nicht so klar.
Das habe ich neu gesehen.
Tiefer.
Auf einer anderen Ebene.
Es ist für mich eine neue Erkenntnis.

So ging es mir auch schon, wenn ich in Coachings über meine Erkenntnisse gesprochen habe.
Während ich davon erzähle, sehe ich es manchmal auf einer tieferen Ebene. Erkenne Auswirkungen oder Zusammenhänge, die mir vorher noch nicht klar waren. Oder mir fällt ein weiteres Beispiel ein, wo es ähnlich ist. Ein weiterer Vorhang geht auf.

Langsam bekomme ich eine Idee, warum Elsie Spittle, die mit Sydney Banks befreundet war, jahrelang ihre eine (wirklich große) Einsicht erzählt hat und es ihr nicht langweilig dabei wurde. Sie hatte jedes Mal die Möglichkeit, etwas neu und tiefer zu erkennen.
Selbst nach so vielen Jahren oder Jahrzehnten.
Es gibt kein „Ende“.

Und wie kommen wir jetzt zu einer Einsicht?

Dafür gibt es keine Anleitung.
Es gibt nichts, was wir „tun“ können, um eine Einsicht zu bekommen. Zumindest nicht im Sinne eines 5-Schritte-Plans.

Wir können aber den Lärm im Kopf zur Ruhe kommen zu lassen, bzw. ihm nicht so viel Aufmerksamkeit widmen. Aber selbst das ist nicht zwingend nötig, denn als mir der „Lied-Gedanke“ kam, war ich nicht ruhig, sondern ziemlich angefressen.

Eine gewisse Offenheit und Neugier, Dinge neu zu sehen, schadet sicher nicht.

Falls du grad ein bisschen gefrustet bist, weil es keinen Plan dafür gibt: Hey, das bedeutet aber auch, dass du jederzeit eine Einsicht bekommen kannst. Jetzt zum Beispiel. Ist das nicht cool?

Ist dir beim Lesen eine Erkenntnis bewusst geworden? Etwas, was du für dich neu gesehen hast? Dann schreib sie doch ins Kommentarfeld und teile sie mit uns. Das ist auch gleich eine Gelegenheit, sie für dich zu vertiefen.

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

Einsicht, Erkenntnis, inside-out, Insight, von innen nach außen


Das könnte dir auch gefallen

Ist Gendersprache hilfreich?

Ist Gendersprache hilfreich?

Wäre ich bloß im Bett geblieben…

Wäre ich bloß im Bett geblieben…
  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Hier kannst du dich für meinen Newsletter anmelden:

    Mit der Anmeldung zu meinem unregelmäßigen Newsletter bekommst du Informationen rund um das Thema "Deine innere Weisheit" sowie zu meinen Angeboten.

    Du kannst deine Einwilligung jederzeit widerrufen, indem du unten in der Email auf den Abmeldelink klickst. Deine Anmeldedaten, deren Protokollierung, der E-Mail-Versand und eine statistische Auswertung des Leseverhaltens, werden über Active Campaign, USA verarbeitet. Mehr Informationen dazu erhältst du auch in meiner Datenschutzerklärung.

    Das ganze „Kleingedruckte“ ist aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nötig.

    >