Expeditionen ins Menschsein 

Besser mit fiesen Kommentaren und Beleidigungen umgehen.

Jeder, der im Internet unterwegs ist, hat vermutlich schon mal einen „fiesen Kommentar“ bekommen oder ist beleidigt worden.
Und ja, das kann sich ziemlich scheiße anfühlen.

Auch in (d)einem Online-Business ist es sehr leicht, Kommentare persönlich zu nehmen, dir zu erzählen, dass die Menschen mit ihren Kommentaren recht haben und du lieber etwas anderes machen solltest.

Du kannst auch so darunter zu leiden, dass deine Gesundheit (psychisch und physisch) in Mitleidenschaft gezogen wird.

Das Gute ist: wir müssen Kommentare nicht persönlich nehmen.

Was ich damit meine und wie das gehen soll, erfährst du in diesem Beitrag.
Und ich habe auch einen Tipp für dich, wie du Beweise rechtskräftig sichern kannst, falls nötig.

Die Rezension...

Was mich vor Jahren tief getroffen hat, war eine „Rezension“ zu meinem Buch.
Sie hatte NULL mit dem Buch an sich zu tun, sondern war eine Aufzählung von sehr persönlichen Sachen über mich, die nicht viele Menschen wussten.
Das hatte gesessen.
Dabei hatte nicht mal ich sie entdeckt, sondern wurde von einer Freundin vorsichtig darauf aufmerksam gemacht, ob ich das schon gelesen hätte…

Zum Glück hat Amazon diese „Bewertung“ tatsächlich gelöscht. Sogar relativ schnell.

Aber in meinem Kopf spulte ich sie wieder und wieder ab.

Fragte mich, wer so fies war, das öffentlich zu schreiben.
Wer mein Vertrauen missbraucht und diese persönlichen Dinge weitergegeben hatte.
Ich schaute mein Umfeld skeptisch an und unterstellte damit irgendwie jedem: warst du es?
Auch wenn ich es niemandem „wirklich“ zugetraut hätte.

Darüber nachzudenken hat fürchterlich weh getan.

Und trotzdem konnte ich es nicht lassen.
Ich dachte, es wäre wichtig, mir darüber Gedanken zu machen.
Zu überlegen, wie ich so etwas zukünftig verhindern könnte.

… und es kamen die wildesten Ideen.

All meine Bücher sofort vom Markt zu nehmen war eine der „logischen“ Lösungen. Mich total zu verkriechen und die Webseite sofort vom Netz nehmen war auch eine Option.

Mit dieser Rezension habe ich mich lange beschäftigt.

Sehr lange.

Ich wusste nicht, wie viele Leute den Text gelesen hatten, glaubte, es stünde mir vor der Stirn geschrieben und „jeder“ wüsste „es“ jetzt.

Und jedes Mal, wenn ich darüber gegrübelt habe, fühlte ich mich schlecht.

Wobei schlecht es nicht annähernd trifft.
Ich fühlte mich beschissen.
Verraten. Verletzt. Tief getroffen.
Es tat körperlich weh.
Mein Herz fing an zu rasen, wenn ich daran dachte. Mir brach der Schweiß aus.
Ich hätte heulen können.
Fluchen.
Irgendwas kaputt machen.
Oder direkt alles zeitgleich.

Und ich drehte mich im Kreis.

Ich wollte nicht mehr dran denken – konnte aber auch nicht nicht daran denken.

Es sah für mich aus, als müsste ich grübeln, weil ich im Grübeln eine Lösung finde.

Wofür genau… ich weiß es nicht.
Vielleicht, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt?
Oder um rauszufinden, wer diese Rezension verfasst hat?

Und auf der anderen Seite war mir klar, dass es sich nicht verhindern lässt...

Ich kann nicht kontrollieren, was andere tun oder sagen oder schreiben.

Ich kann ja nicht mal kontrollieren, wie ich mich mit dieser Rezension fühle…

Aber damals wusste ich noch nicht, was ich heute weiß.

Hast du schon mal Chilipulver am Finger gehabt und bist dann versehentlich ans Auge gekommen?
Ich schon und das habe ich nicht freiwillig wiederholt, sondern mir ganz schnell sehr gründlich die Finger gewaschen und das Auge gespült.

Mit der Rezension war es so, als würde ich mir immer wieder den Chili-Finger ins Auge halten.
Immer und immer und immer wieder.
In der Hoffnung, das Brennen würde aufhören.

So ist das natürlich totaler Quatsch.
Warum sollte ich das tun?
Das ergibt keinen Sinn.

Aber warum habe ich mich gedanklich immer wieder mit dem Inhalt der Rezension beschäftigt? Selbst dann, als sie schon gelöscht war? Wenn ich doch gemerkt habe, dass ich mir damit wehtue?

Weil ich nicht wusste, dass ich das nicht tun muss!

Dass ich mich nicht mehr damit befassen muss, sondern sie abhaken kann. Es ist passiert und ich kann daran nichts mehr ändern.
Selbst wenn ich rausgefunden hätte, wer sie verfasst hat – sie war im Netz und wurde gelesen.

Und ich kann auch nichts tun, um sicherzustellen, dass nicht morgen wieder etwas Ähnliches passiert.

Was hilft es mir dann, darüber zu grübeln?

Mich damit zu foltern?
GAR NICHTS.
Also kann ich es auch lassen.

Das wusste ich zu der Zeit leider nicht. 

Und ich wusste auch nicht, dass fiese Kommentare und Beleidigungen generell nichts mit mir zu tun haben und ich sie nicht persönlich nehmen muss.

Selbst, wenn ich Feedback, Beleidigungen oder unverschämte Nachrichten wie z.B. diese bekomme (nicht alles Beispiele von mir, aber leider noch harmlos):

  • Was erzählst du für einen Scheiß?
  • Der Kurs ist für die Tonne und taugt nichts.
  • Jetzt willst du über deinen Newsletter auch noch etwas verkaufen?
  • Was schreibst du für einen Mist!
  • Du solltest dir einen anderen Job suchen.
  • Du bist zu nichts zu gebrauchen!
  • DAMIT willst du Geld verdienen?
  • Du bist ein Stück Dreck.
  • ...

Fragst du dich gerade: wie bitteschön soll ich sowas NICHT persönlich nehmen?

Vorab: ich sage nicht, dass mir das immer gelingt, ich anfange gütig zu lächeln und total ruhig bleibe – aber das ist möglich.
Unabhängig vom Kommentar.
Egal, wie fies, bösartig, verletzend, übergriffig, … er ist.

Weil das alles in Wirklichkeit nichts mit mir zu tun hat!

Es sagt „nur“ etwas darüber aus, wie es demjenigen, der das gerade sagt oder schreibt, geht.
Wie „klar“ er ist.
Oder wie tief in (dunklen) Gedanken verloren.
Wie sehr er in seiner Mitte ist – oder wie weit „weg“ davon.

Du warst sicher auch schon mal auf 180 und hast dann Dinge gesagt, die du hinterher bereut hast.
Vielleicht nicht so etwas, wie das. Aber generell kennst du das sicher von dir auch.

Mir wurde in den letzten Jahren bewusst, dass jeder Mensch einen „freundlichen, liebevollen Kern“ hat. 

Dass es unsere Natur ist, freundlich, liebevoll und hilfsbereit zu sein.

Wenn wir uns fies, böse, übergriffig, unverschämt, … verhalten, dann liegt es daran, dass es in uns gerade tobt.
Dass wir uns in einem Gedankensturm befinden.
Dass unsere Gedanken in Aufruhr sind.
Chaotisch.
Unruhig.
Sehr schnell. 

Und dass wir „einfach“ entsprechend den Gedanken handeln.

Wenn der Gedanke kommt: so ein Miststück. Wie kann sie so einen nutzlosen Kurs verkaufen? Mir hat er NULL geholfen. Das soll sie ruhig wissen! und ungefiltert rausgelassen wird, dann kann „sowas“ dabei rauskommen.

Ich möchte das nicht gutheißen, im Sinne von: macht ja nichts. War ja nicht schlimm.
Sondern eher erklären, wie es dazu kommt, dass „Mensch“ überhaupt so reagiert.
Das ist nachvollziehbar.

Und wir kennen das alle – vielleicht in einem anderen Rahmen oder Ausmaß - aber wir kennen „den Prozess dahinter“.

Als ich die Rezension gelesen hatte, gingen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. So schnell, dass ich gar nicht mehr hinterher kam.
Ich konnte nicht klar denken und hab sicher auch Dinge gemacht und gesagt, die ich „normalerweise“ nicht gemacht hätte.
Weil in meinen Gedanken ein Sturm tobte.
Meine Stimmung war schlagartig im Keller. 

Und das lag nicht an der Rezension an sich, sondern an dem, was ich darüber dachte:

  • Wie kann man sowas schreiben?
  • Wer ist so fies?
  • Warum habe ich das nicht verhindert?
  • Ich kann mich nirgends mehr blicken lassen.
  • Das ist mir soooooooo peinlich.
  • Was mache ich jetzt?
  • Wie finde ich raus, wer das war?
  • Das hätte nie passieren dürfen.
  • Das muss sofort gelöscht werden! Wie erreiche ich Amazon am besten?
  • Warum tut derjenige mir das an?
  • ...

Die Gedanken liefen Amok. Und sie hatten diese ungemütlichen Gefühle im Schlepptau.

Ich hätte ihnen nicht zu glauben brauchen.
Das wusste ich aber nicht.
Ich dachte, sie würden mir „die Wahrheit“ erzählen.
Tun sie aber nicht.
Besonders dann nicht, wenn wir so aufgewühlt sind.

Genau wie der Schreiber/die Schreiberin eines solchen Kommentars seinen/ihren Gedanken nicht zu glauben hätte brauchen.
Wenn er/sie das gewusst hätte…

Muss ich mir jetzt alles gefallen lassen?

Auf keinen Fall!

Wenn ich mich wie die Axt im Walde verhalte, dann muss ich auch mit Konsequenzen rechnen und mit ihnen leben.

Sobald mir aber klar ist, dass dieser Kommentar nichts mit mir zu tun hat, sondern mir die Person „aus ihrer Welt“ erzählt, brauche ich nicht direkt zu reagieren.
Ich muss mich nicht rechtfertigen oder erklären.
Oder mich und mein Business komplett infrage stellen.
Ich muss ihn nicht persönlich nehmen – selbst, wenn mein Name darin vorkommt.
Ich kann bei mir bleiben.
In meiner Mitte.

Je ruhiger und klarer ich bin, desto besser weiß ich auch, ob etwas zu tun ist.

Und falls ja, was genau zu tun ist.

Wenn du richtige Hasskommentare bekommst oder beleidigt wirst, vielleicht von Leuten, die du überhaupt nicht kennst und die dich auch nicht kennen, sondern „nur“ irgendwo ihren Frust rauslassen wollen, dann kannst du natürlich dagegen vorgehen.

Du weißt, ob und wann es sich stimmig anfühlt. 

Je ruhiger und unaufgeregter du bist, desto klarer ist auch die Entscheidung.

Ja, vielleicht sind wirklich rechtliche Schritte nötig.

Wichtig ist es, dafür Beweise zu sichern

„Normale“ Screenshots reichen allerdings meist für rechtliche Schritte nicht aus.

Dafür gibt es aber auch eine Möglichkeit: Netzbeweis. 
www.netzbeweis.com/

Dort kannst du als Betroffener kostenlos deine Beweise sichern.
Und zwar so, dass du auch wirklich belegen kannst, wer, wann, was und wo gepostet hat.

Ich lade dich ein, wenn dich das nächste Mal ein unschöner Kommentar erreicht, hinzuschauen.

Ist es wirklich der Kommentar, der meine Gefühle auslöst? Oder könnten es die Gedanken sein, die ich darüber habe?

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

beleidigend werden, Beleidigung, böser Kommentar, etwas persönlich nehmen, Hass, hatespeech, Kommentare, persönlich nehmen, schlechte Rezension


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      Michaela

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