Expeditionen ins Menschsein 

Schwarzwälder Hirsch

Fasziniert habe ich die Dokumentation “Zum Schwarzwälder Hirsch - eine außergewöhnliche Küchencrew” verfolgt, in der 13 Menschen mit Down-Syndrom einen Monat lang in einem Restaurant möglichst selbstständig in den Bereichen Service und Küche gearbeitet haben.

Das Experiment war, herauszufinden, wozu sie mit der notwendigen Unterstützung fähig sind, bzw. ob es möglich ist, dass sie alleine ein Restaurant führen.

Es war wirklich großartig zu sehen, wie alle über sich hinausgewachsen sind.
Dinge gemacht haben, die sie “nicht können”.
Und die sie auch nicht würden lernen können - so dachten zumindest viele Menschen im Vorfeld.

Wie sie sich Dinge zutrauten, weil es Menschen gab, die spürten: ihr könnt das.

Wie sie selbstständiger wurden.
Aufgeblüht sind.
Potenzial in sich gesehen haben, von dem sie überhaupt nicht wussten, dass es da ist.

Tim Mälzer, der Koch, der sich mit ihnen auf diese Expedition begeben hat, sagte mehrfach etwas wie:

Bisher wurden die Teilnehmer immer an Stellen eingesetzt, wo sie möglichst wenig falsch machen können.
Wir wollen sie dort einsetzen, wo sie möglichst viel richtig machen können.

Wow.
Was für einen Unterschied das ausmacht.
Für mich ist das spürbar.

Blick und Fokus gehen auf die Fähigkeiten und Talente, die sich vielleicht erst dann zeigen können, wenn man nach ihnen Ausschau hält.

Zumindest können wir sie dann erst sehen.

Wir kennen das, wie sich unsere Filter und unser Fokus ändern, wenn wir ein anderes Auto kaufen und plötzlich überall dieses Automodell oder andere Autos in “unserer” Farbe sehen, die vorher scheinbar nicht da waren.

Sie waren immer da.
Wir haben sie einfach nur nicht gesehen.

Was, wenn das mit Talenten und Fähigkeiten auch so ist?
Wenn wir genauso mit uns umgehen, wie “die Welt” mit Menschen mit Beeinträchtigungen?

Wenn wir immer mit dem gehen, wo wir möglichst wenig falsch machen können?
Und dabei unser Potenzial, unsere Fähigkeiten und unsere Großartigkeit total unterschätzen?

Wenn wir auf Nummer sicher gehen, weil wir uns das, was sich gut und richtig und prickelnd und aufregend und “eine Nummer zu groß” und spannend und “das ist es” anfühlt, schlicht nicht zutrauen?

Weil wir uns nicht erkennen.
Unser Potenzial.
Unsere Fähigkeiten.

Selbst dann, wenn uns ein Job oder eine Aufgabe angeboten wird.

Wir vertrauen demjenigen nicht, der sehen kann, dass wir das können.
Oder der zumindest bereit ist, sich auf die Expedition einzulassen: kann er/sie das?

Es scheint so viel leichter zu sein, unseren Gedanken zu glauben, die den ganzen Tag all das quaken, was wir nicht können, was wir noch lernen sollten, was wir besser hätten machen können, was an uns falsch ist, warum wir für den Job oder die Aufgabe NIE infrage kommen …

Ich lade dich ein, beim nächsten Mal auf dein Gefühl zu hören.
Das, was zuerst da ist.
Wo ein “ja” oder “nein” spürbar ist.
Ganz klar.
Ein inneres Wissen.

Vielleicht ist es nur eine Millisekunde.
Ein winziger Augenblick.

Dann kommen die gewohnten Gedanken, die unsere Träume und Fähigkeiten und das Zutrauen in uns in Grund und Boden stampfen.
Und sie fühlen sich viel echter an, als das leise, klare Gefühl vorher.

Natürlich … wie konnte ich nur auf die Idee kommen, dass ich … könnte?

Was wäre, wenn die gewohnten Gedanken nicht recht haben?
Unabhängig davon, welche logischen Erklärungen sie mitbringen?

Was wäre, wenn die leise innere Stimme einfach besser weiß, was für dich jetzt in diesem Moment richtig ist?

Immer.
Zuverlässig.

Was wäre, wenn du nicht mehr in die Richtung schaust, wo du möglichst wenig falsch machen könntest, sondern in die Richtung, was für dich möglich ist?

Vielleicht sieht es aus, als gäbe es diesen Weg gar nicht.
Das ist okay.

Die Teilnehmer vom Schwarzwälder Hirsch, deren Familien und Angehörige, das ganze Team, die Betreuer … sie haben keinen klaren Weg gesehen.
Aber sie haben darauf vertraut, dass sich einer zeigen könnte, wenn sie losgehen.
Sie waren neugierig.
Offen für etwas, was es bisher noch nicht gegeben hat.
Haben sich darauf eingelassen.
Nach neuen Wegen gesucht.
Und welche gefunden.

Vorab war nicht klar, was aus der großen Idee wird.
Zwischendrin gab es immer wieder Zweifel.

Aber wenn nur eine Person weiterhin in die Richtung von Potenzial und Fähigkeiten und Möglichkeiten und Neugier und Neues erleben schaut, reicht das.

Diese Person kann durch die Zweifel hindurch schauen.
Nimmt sie nicht ernst.
Gibt ihnen keine große Bedeutung.
Und macht damit quasi eine Tür auf.
Für Möglichkeiten.

Was wäre, wenn die Dinge nicht mehr “wie immer” gemacht werden können?

Welche Alternativen gibt es?

Dann kamen ganz neue Ideen ins Spiel.
Lösungen, wie Dinge anders erledigt werden können.
Die zu diesen Menschen und ihren Fähigkeiten passen.
Und plötzlich war es ganz einfach.
Das Problem war verschwunden.
Der neue Weg sichtbar.

Wie ist das bei dir?
Wer sieht dich?

Dein Potenzial?
Deine Fähigkeiten?
Die Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen?

Siehst du dich?

Was wäre, wenn es immer mehr Wege gäbe, als du gerade sehen kannst?
Wenn du dich nicht in Rollen quetschen musst, die nicht deine sind, nur weil es noch so aussieht, als wäre das der einzige Weg?
Was wäre, wenn du nicht mehr “klein” spielst und mit dem gehst, was sich “irgendwie sicher”, aber trotzdem nicht richtig anfühlt?

Was wäre, wenn du dem (noch) Unbekannten vertraust?
Weil du spürst, dass unendlich viele Möglichkeiten für dich darin liegen könnten?

Was wäre, wenn so viel möglich ist, wenn du diesem inneren Gefühl folgst? Weil dem eine ganz besondere Magie innewohnt?

Wenn das glasklar wäre - wofür würdest du dich entscheiden?

Ich lade dich ein, einen Moment zu reflektieren.
Zu spüren.

Was wäre, wenn du beim nächsten Mal mit dem gehst, was sich im ersten Moment richtig anfühlt?
Was würde das verändern?
Spoiler - vermutlich erfährst du es erst, wenn du es ausprobierst.

Schreib mir doch im Kommentar, was dir bei der Reflexion bewusst wurde.

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

Fähigkeiten, falsch einschätzen, kein Zutrauen, Möglichkeiten, neue Wege gehen, Potenzial, Schwarzwälder Hirsch, Selbsteinschätzung, Türen öffnen sich, unterschätzen, wenig Zutrauen


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Vom Impuls zur Regel

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  • Liebe Michaela, diesen Impuls finde ich fabelhaft. Vielen herzlichen Dank dafür!!!

    Diese Ausrichtung, möglichst viel richtig statt möglichst wenig falsch zu machen ist inspirierend und wird mich auf jeden Fall in meinen Rückblick zum Jahresabschluss und die Vorbereitung auf das neue Jahr begleiten.

    Ich wünsche uns allen, dass wir uns mehr erlauben, den Weg der unser Herz öffnenden Möglichkeiten zu gehen.
    Das wäre wahrlich eine heilende Revolution, die sich auf vielen persönlichen und gesellschaftlichen Ebenen wunderbar auswirken würde.

    Kannst Du noch sagen, wo Du den Film gesehen hast?

    Liebe Grüße und einen freudvollen Jahresausklang!
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      wie schön, dass dir diese Ausrichtung auch so gut gefällt. 😊

      Deinem Wunsch schließe ich mich vollkommen an. 💜
      Wie viel leichter sich unser Leben anfühlen würde und was wir für „die Welt“ bewegen könnten … Vielleicht finden wir es ja raus. 😉

      Die Dokumentation habe ich auf VOX gesehen. Über diesen Link findest du sie, aber ich glaube, sie ist nicht mehr kostenlos verfügbar. (vielleicht gibt es ja einen kostenlosen Probemonat – das weiß ich aber nicht)
      Den Trailer kannst du dir hier anschauen: https://youtu.be/NQr8KUC_KRQ

      Dir auch einen tollen Jahresausklang und ein wunder-bares, neues Jahr.

      Liebe Grüße
      Michaela

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