Expeditionen ins Menschsein 

Angekommen – die Suche hat ein Ende

Bisher war ich immer auf der Suche.
Nach etwas, was mir hilft, „heile“ zu werden. 
Zumindest in den letzten ca. 35 Jahren, als die Ängste mein Leben - mehr oder weniger - eingeschränkt haben.
In all den Jahren Therapie (wo ich als austherapiert galt, weil sich nichts verbessert hat) und danach war ich immer auf der Suche nach „dem Ding“ was mir hilft, mich besser zu fühlen.
Nach „der Lösung“, die dafür sorgt, die Ängste aufzulösen.
Nach „etwas“, was mir endlich hilft.
Erleichterung verschafft.
Mich „heile“ macht.
Dafür sorgt, dass ich „normal“ werde.

Ich wusste nicht, wonach genau ich gesucht habe.
Und mir war auch nicht immer klar, dass ich überhaupt auf der Suche war.
Klar war nur: so, wie ich war, das war nicht richtig.
Ich war nicht richtig.
Und es musste einen Weg geben, das, was mit mir nicht stimmt, geradezubiegen.
Hoffte ich zumindest.

Diese Hoffnung verlor ich auf dem Weg immer mal wieder…
Nach der Enttäuschung, dass auch dieses Tool, das „immer“ hilft, bei mir keine Wirkung gezeigt hatte.
Dass der besondere Heiler, der schon sooo vielen Menschen geholfen hat, nichts ausrichten konnte.
Dass ich wohl zu blöd war, selbst die einfachsten Techniken so anzuwenden, dass sie mir helfen.
Oder dass ich mich scheinbar nicht genug auf Methoden wie z.B. Hypnose einlassen kann, damit sie ihre Magie ausüben können.
Da MUSS ja was mit mir nicht stimmen…

Und trotzdem keimte in mir auch immer wieder die Hoffnung auf, dass es einen Ausweg geben könnte.

Mein Bücherregal war zum Thema Selbsthilfe besser ausgestattet, als die meisten Büchereien. Ich hatte die Bücher nicht nur gekauft, sondern auch gelesen und die Übungen gemacht.
Teilweise mit einer irren Disziplin, obwohl sich nichts verändert hat.
Aber das lag natürlich an mir.
Ich hatte es nicht richtig gemacht.
Erwartete zu viel.
War ein „schwieriger Fall“.
Was auch immer....

Mit mir stimmte etwas nicht und irgendwann würde ich „es“ finden, das mir hilft, mich besser zu fühlen.
Mich frei zu fühlen.

Und jetzt, nach all den Jahren, ist die Suche beendet.

Was ist passiert?
Geht es mir jetzt gut? Bin ich die Ängste los?

Das kann man so nicht sagen.

Nach außen hin hat sich nichts geändert.
Ich verlasse nach wie vor das Haus nicht – von den paar Ausnahmefällen, die man im Jahr an den Fingern abzählen kann… wenn überhaupt.

Aber es ist okay.
Nicht nur, dass ich mich im Laufe der Jahre (zwangsläufig) daran gewöhnt habe (durch Corona können viele Menschen besser nachvollziehen, wie man sich an eine Situation gewöhnen kann…), sondern es ist WIRKLICH okay.

Weil ich – zumindest ein Stück weit – verstanden habe, dass ICH okay bin.
So, wie ich bin.
Selbst dann, wenn ich das Haus NIE WIEDER verlasse.

Und seitdem diese Erkenntnis da ist, hat die Suche ein Ende.
Sie macht ja auch keinen Sinn mehr, wenn es nichts zu verändern gibt, weil alles gut ist, wie es ist.

Das ist es wohl, was die Therapeuten mit „annehmen, was ist“ meinten.
Nur, dass es dafür kein Rezept gab.
Für mich nicht.
Keine Anleitung.
Kein Backrezept, kein „man nehme“.
Ich konnte damit nicht viel anfangen, weil mir das „wie“ fehlte.

Und genau danach habe ich gesucht.
All die Jahre.

So wirklich bewusst, dass meine Suche ein Ende hat, wurde mir erst, als ich anfing, mein Bücherregal auszumisten und mich von den ganzen Büchern mit Tools und Techniken zu trennen, weil ich sie nicht mehr brauchte.
Als ich mich von einem Newsletter nach dem anderen abmeldete, weil mich die Inhalte nicht mehr interessierten.
Als ich die DVD-Kurse und Lehrmaterialien endlich aussortieren konnte, ohne ein „vielleicht brauche ich das noch mal irgendwann“ im Hinterkopf zu haben.
Als Entscheidungen plötzlich „da“ waren, von denen ich gar nicht wusste, dass sie anstanden. 

Es war so klar.
So logisch.

Auch wenn es von außen betrachtet überhaupt keinen Sinn machte.
Es hatte sich ja nichts verändert. Die Angst war unverändert.

Und trotzdem war alles anders.
Und mir war klar: ich will MEHR davon.
Mehr von dem, was ich erkannt hatte.
Noch mehr Erkenntnisse.
Mehr Aha-Momente.
Mehr Verständnis – für mich und andere.

Und nicht, weil ich hoffte, dass sich an den Ängsten etwas ändert, sondern einfach, weil ich mehr von diesem Gefühl wollte.
Der inneren Ruhe.
Dem berührt sein von Kleinigkeiten.

Anfangs habe ich (unbewusst) versucht, diese Prinzipien als eine Technik anzuwenden.
Schließlich hatte ich in den letzten Jahrzehnten ständig Techniken gelernt und angewendet.

Aber so funktioniert es nicht.
Nicht dieses Mal.
Je mehr ich es versuchte, desto mehr entfernte ich mich.

Ungewohnt.
Aber auch befreiend.
Es gibt nichts zu tun.
Nicht zu lernen.
Nur zuzuhören.
Dem Leben.
Da zu sein.
Und es zu genießen.
So, wie es jetzt ist.

Nicht zu warten, dass…
Nicht zu warten, bis…
Nein.
JETZT.

Meine Suche hat ein Ende.
Das ist noch ungewohnt, aber auch sehr erleichternd. 

Die Drei Prinzipien erklären, wie wir Menschen funktionieren und wie Probleme und Leiden entstehen. Ich verstehe ich mich als eine Art Wegweiser und liebe ich es, meine Klienten auf den Ort, an dem zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lösung zur Verfügung steht, aufmerksam zu machen.

Michaela Thiede


Tags

3 Prinzipien, 3P, Neustart, Sydney Banks


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Ich an deiner Stelle

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  • Liebe Michaela,

    nachdem ich gerade den Blog-Beitrag gelesen habe, bemerke ich wie mir die Tränen laufen. Ich bin zu tiefst berührt, von dem was du über dich und deinen Weg geschrieben hast und freue mich total für dich, das die Suche endlich beendet ist und du den Weg zu dir gefunden hast und diesen jetzt auch weitergehst und ihn hoffentlich auch immer wieder genießen kannst. ❤️

  • Liebe Michaela, das ist alles Spitze, und ich finde Dich wirklich toll, Dein Leben total umzustelle. Auch ich kenne dies. Ich wuensche Dir weiterhin alles Gute und viel Glueck mehr zu Dir selbst zu finden. Marianne Ute

  • Hallo Michaela,

    Es tat gerade soo gut dein Kommentar über dein Leben zu lesen. Es hat mich zutiefst berührt, das ich nicht alleine bin, mich so verhalte wie Du, immer noch auf der Suche was mir endlich " Normalität " verschafft. Ich habe mich in so vielem wiedererkannt und merke , wie es mir Tonnen von Gewicht auf der Brust weg nimmt. Das es möglich und erlaubt ist, zu sagen ich bin okay auch wenn ….
    Liebe Michaela, Danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit, ich wünsche dir eine Weg der dich trägt dir Leichtigkeit Liebe und Entspannung schenkt.
    Auch freue und bedanke ich mich das Du da bist, und mich inspirierst,.
    Alles Liebe wünscht
    Carine

    • Liebe Carine,
      oh wie schön, dass es dir schon Erleichterung verschafft hat, das „einfach“ nur zu lesen. ?
      Dieses Wissen, dass wir alle okay sind, so wie wir jetzt sind (einfach, weil wir gar nicht „nicht-okay“ sein können), macht mir vieles leichter.

      Danke für deine Wünsche.
      Das wünsche ich mir für dich auch.

      Liebe Grüße
      Michaela

  • Das ist so schön zu lesen! 🙂
    Und ich weiß genau wovon du sprichst. Was für eine Befreiung, wenn es nichts mehr zu tun und zu verändern gibt.
    Ab und an werde ich rückfällig, vor allem wenn ich mit Menschen in Kontakt komme, die anders leben. Dann beginnt sofot das Vergleichen und natürlich schneide ich da immer schlechter ab, ohne Job, ohne Belastbarkeit und pipapo.
    Wenn ich dann wieder mehr mit mir bin, kann ich mittlerweile ganz oft das Leben, in meinen Möglichkeiten geniessen. Es ist so schön! Ich bin so dankbar dafür!
    Und ja, dass ließ sich nicht machen. Das kam einfach irgendwann, bei mir nach ca. 9 Jahren mit Handicaps.

    Viele Grüße
    Anja

    • Liebe Anja,

      oh ja, das ist wirklich eine Befreiung.
      Ich denke, dass es normal ist, immer mal wieder in alte Muster zu fallen.
      Das ist nur „schlimm“, wenn wir selbst es so bewerten. ? Ansonsten ist es einfach so. ?

      Wie schön, dass es dir immer mehr gelingt, das Leben zu genießen. ❤
      Das wünsche ich mir für uns alle.

      Liebe Grüße
      Michaela

  • Liebe Michaela, danke dass du deinen Weg mit uns teilst. Sicher geht es Vielen auch so und es gibt etwas Beruhigung nicht alleine zu sein. Wir sind d ja alle auf der Suche nach irgendwas. Schön zu hören dass man die Suche auch mal beenden kann und erkennen, dass wir alle göttliche Wesen si d, gut so wie wir sind und es auch annehmen dürfen. Liebe Grüße Anke

    • Liebe Anke,
      das ist wohl ein Gedanke, den wir alle kennen: das geht nur mir so. Bis wir feststellen: stimmt gar nicht… anderen geht es sehr ähnlich.
      Das ist oft auch schon eine Befreiung.
      Und es ist ein Unterschied, meine Situation „annehmen zu müssen, weil es wichtig ist, damit…“ oder es „einfach“ zu tun.
      Das ist viel tiefgreifender.

      Liebe Grüße
      Michaela

  • Lieber Gruß, Michaela,
    danke für deine Gedanken.
    Ich finde es wunderbar geschrieben und freue mich auf eine Fortsetzung.
    Bis dann,
    Astrid

  • Liebe Michaela, ich habe dich erst vor kurzem "kennegelernt", noch in Verbindung mit der Klopftechnik. Ich freu mich sehr darüber, dass du so offen und ehrlich über deinen Weg berichtest. Es scheint die Zeit zu sein, in der wir genau diese Erkenntnisse gewinnen können. Auch ich habe etliches "ausprobiert" und fühle in mir die Tendenz, mich genauso wie du von all den Newslettern zu verabschieden. Danke für diesen wundervollen Impuls.

    • Liebe Inka,
      ich fand es spannend zu erleben, wie ich mich früher oft von Newslettern abmelden „wollte“ und ziemlich damit gekämpft habe. Ich hatte schnell den Gedanken, etwas zu verpassen.
      Und dann „mache ich es einfach“, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Bei vielen war so klar: das passt nicht mehr. Da melde ich mich ab.
      Wenn der Impuls da ist und es sich gut anfühlt, dann geht es plötzlich ganz leicht.

      Liebe Grüße
      Michaela

      • Hallo Michaela,

        wow, es gibt ja viiiiieeel mehr Menschen(-frauen), denen es so geht wie es auch mir gehtundefinedergangen ist. Ich musste schmunzeln. Newsletter abmelden – könnte was verpassen, es gibt so viel interessantes. Kenne es genau so.

        Doch Ich Bin ruhiger geworden (liegt sicher auch mit am Alter 😉 ). Mich von Büchern zu trennen – schwierig! doch nicht unmöglich. Zum Glück erliege ich nicht mehr so stark dem Gefühl, oh, dass (Ausbildung, Therapie etc.) hört sich soooooo toll an und so viele haben damit fantastische Erfolge. Mein Erfolg blieb (scheinbar) aus.

        Jetzt will ich mehr: was ist mein Weg? Mehr Innenschau – in mein Inneres schauen, was zeigt sich?
        Annehmen – loslassen. Ja zu mir, ja zum Leben undefined zu meinem Leben. Es bleibt eine Herausforderung.

        Danke für deine Offfenheit :-)!

        Herzlichst, Ellen

      • Hallo Ellen,
        es ist noch gar nicht lange her, dass ich über den Begriff FOMO (fear of missing out – Angst, etwas zu verpassen) gestolpert bin. Das kam mir seeeehr bekannt vor. ?

        Ich würde sagen, dein Weg zeigt sich, wenn du ihn nicht „mit dem Kopf suchst“, sondern ganz still wirst.

        Solange „annehmen“ noch eine Tätigkeit ist, die ich irgendwie „machen“ muss – für die mir aber das Rezept fehlt, war es für mich schwierig.
        Je mehr ich erkannt habe, dass es nichts zu tun gibt, weil alles okay ist, wie es jetzt ist (weil es gar nicht anders als okay sein kann – alles andere ist „nur“ meine Bewertung), desto leichter konnte ich Dinge annehmen. Und das annehmen passierte automatisch.
        Kannst du damit etwas anfangen?

        Liebe Grüße
        Michaela

  • Liebe Michaela, das klingt toll, herzlichen Glückwunsch!
    Da passt der Satz, den ich hier gerade gelesen habe super dazu:
    "Erleuchtung ist nicht das Ende er Suche, sondern das Erwachen aus dem Traum des Suchens." (Fabian Wollschläger)
    Liebe Grüße, Felix.

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